Thementische der KI-AG am Hochschultag

5 Juni, 2026

Der Hochschultag der HWR Berlin stand unter dem Motto „Zukunft denken, erforschen, gestalten“. Unsere KI-Interessengemeinschaft der HWR Berlin (die sich regelmäßig trifft und für alle Interessierten offensteht) entschied sich daher, gemeinsam etwas Wesentliches anzubieten. Unser Ziel waren gegenseitiger Austausch und Vernetzung rund um die Frage, wie sich Hochschule in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz weiterentwickeln kann.
Unter „Wie sieht die HWR Berlin die KI?“ plante die KI-IG der HWR Berlin ein fachbereichsübergreifendes, moderiertes KI-Themencafé, das Austausch, Reflexion und praktische Erprobung miteinander verbindet. In mehreren rotierenden Gesprächsrundenhatten Teilnehmende die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, Perspektiven kennenzulernen und KI-Tools selbst auszuprobieren. Das Format war bewusst niedrigschwellig angelegt und schaffte Raum für unterschiedliche Vorkenntnisse und Fragestellungen. Ziel war es, die vielfältige KI-Nutzung im Hochschulalltag sichtbar zu machen In mehreren Gesprächsrunden diskutierten Studierende, Lehrende und Mitarbeitende an verschiedenen Thementischen über Chancen, Herausforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten von KI im Hochschulalltag.

Im folgenden berichten die Akteure über die Eindrücke, Diskussionen und Ergebnisse der einzelnen Thementische.

Thementisch „Custom Chatbots ausprobieren“

An diesem Thementisch ging es darum, das Konzept von Custom Chatbots für den Hochschulalltag kennenzulernen und zu diskutieren. Gestartet wurde mit einer kurzen Einführung in die Grundlagen, den Erstellungsprozess sowie der Vorstellung verschiedener externer Systeme (wie ChatGPT, Arcana der GWDG und NotebookLM). An der HWR Berlin gibt es bislang kein eigenes System für die Erstellung und Nutzung von Custom Chatbots. Anschließend konnten verschiedene Beispiel-Bots ausprobiert werden. Studierende interessierten sich insbesondere für NotebookLM am Beispiel eines Bots zu KI-Regelung, Mitarbeitende aus der Verwaltung für den Service-Bot.

Besonders spannend war der anschließende Austausch zu möglichen Anwendungsfällen an der Hochschule. Teilnehmende entwickelten gemeinsam Ideen für Custom Chatbots, die sie in ihrem Studien- und Arbeitsalltag unterstützen könnten. Die Vorschläge wurden anschließend thematisch gebündelt und diskutiert. Die Vorschläge umfassten unter anderem Bots zur Lernunterstützung, zur Prüfungsvorbereitung, zur Unterstützung der Recherche, zur Unterstützung von Fallbeschreibungen in der Rechtspflege, in der Forschung zur Erstellung von Drittmittelanträgen, zur Beratung von Studierenden zum Beispiel für Outgoings oder für die interne Verwaltung zur Optimierung von Abläufen. Es enstanden spannende Diskussionen und ein Austausch untereinander. Hierbei wurde auch Bedarf an einem eigenen Hochschulsystem, um KI-gestützte Chatbots zu erstellen und zu nutzen, deutlich.

Workshopergebnisse zu Custom Chatbots

Was sind Custom Chatbots?

Custom Chatbots sind auf bestimmte Themen spezialisierte KI-Assistenten. Sie nutzen hochgeladene Dokumente als Wissensbasis und verhalten sich nach festgelegten Vorgaben auf Basis eines Systemprompts. Sie können wiederholt genutzt und anderen Personen zur Verfügung gestellt werden.

Thementisch „KI-Komponenten in Bibliotheksinfrastruktur“

Der Thementisch der Hochschulbibliothek widmete sich dem Einsatz von KI-gestützten Recherchewerkzeugen in wissenschaftlichen Datenbanken und Bibliotheksdiensten. In vier Kurzvorträgen von jeweils rund 25 Minuten gaben Mitarbeitende der Bibliothek Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt standen zunächst analytische und generative KI bei der Recherche in HoWeR sowie analytische KI bei Beck-online. Anschließend wurde die Möglichkeit gegebenen zu erfahren, wie generative KI die Recherche in der Datenbank WISO unterstützen kann. 
Ein weiterer Vortrag beleuchtete den Einsatz generativer KI in der Datenbank Statista. Dabei entstand auch eine Diskussion über die Nutzung von Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen sowie über die weiterhin wichtige menschliche Komponente bei der Auswahl und Bewertung von Informationen. Abschließend wurden externe KI-Recherchetools für den wissenschaftlichen Schreibprozess thematisiert. Vorgestellt wurden dabei sowohl die Unterschiede zwischen klassischer und KI-gestützter Recherche als auch verschiedene Kategorien von KI-Recherchetools sowie deren Anwendungsmöglichkeiten im Recherche- und Schreibprozess. Insgesamt zeigte die Veranstaltung, dass KI diese Prozesse sinnvoll unterstützen kann – jedoch vor allem als Ergänzung zur klassischen Informations- und Recherchekompetenz.

Thementisch „Lebenslanges Lernen“ 

Im Austausch zum lebenslangen Lernen wurde diskutiert, wie die Kollaboration und Co-Kreation mit generativer KI die Lernprozesse verändert und welche neuen Kompetenzen dadurch künftig wichtiger werden. In einem Staffelspiel, das ebenfalls mit mehreren KI-Tools erstellt wurde, entwickelten vier Gruppen eine Idee vom “(Lebenslangen) Lernen mit KI”, das schließlich in einem Konzept zur Umsetzung und der Möglichkeit der individuellen Anpassung gipfeln sollte. 

In der ersten Gruppe stand somit die Deklarierung einer offenen Vision zum Lernen in der Zukunft im Vordergrund, wobei das konkrete Ziel in der Formulierung eines Prompts bestand, der eben diese Vision beschreibt und in einen konsequenten Umsetzungsplan weiterentwickelt. In der zweiten Gruppe wurde dann überlegt, wie diese Vision methodisch zu erreichen sei und ob die Zielsetzung weiter konkretisiert werden sollte. Damit konnte die dritte Gruppe das daraus entstandene Konzept weiterentwickeln und kritisch prüfen: in diesem Fall ging es um die Prüfungsformate der Zukunft, die Rolle von KI darin und was dies für den Lernprozess bedeuten könnte. Zum Abschluss versuchte die vierte Gruppe, alle bisherigen Diskussionsverläufe einzufangen und zu verbinden. Dabei wurde klar, dass gerade die Beteiligung von KI in diesem Entwicklungsprozess zwar Vorteile brachte, wenn es um die erste Idee ging. Die Diskussionen zwischen den Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen zeigten aber, dass für die klare Priorisierung der Konzepte die menschliche Intelligenz am Tisch benötigt wurde. Generell haben die Arbeit mit den KI-Tools am Tisch und der Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmer*innen gezeigt, dass Lernen auch (oder sogar vermehrt) in der Zukunft mit der bewussten Selektierung und Strukturierung von Lehrmaterial zu tun hat, wobei die KI als Sparringpartner und Tutor große Hilfe bieten kann, als Rat- und Ideengeber zum Teil aber weit über das Ziel hinausschießt. 

Thementisch „KI sinnvoll nutzen“ 

Dieser Thementisch widmete sich den praktischen Erfahrungen mit KI im Hochschulalltag und der Frage, wie KI den Lehr- und Lernprozess sinnvoll unterstützen kann. Die Teilnehmerzahlen blieben leider hinter den Anmeldungen zurück, mit den Überbuchungen waren wir wohl zu zurückhaltend. In der ersten Runde ging es vor allem um die Grenzen zwischen dem eigenen Schreiben und dem Schreiben mit KI und den Anwendungsfeldern in der praktischen Berufsfeldern der Polizei.  

Auch die anderen Studierenden nutzen KI nach eigenen Angaben eher zurückhaltend, die Skepsis bezüglich der Fehleranfälligkeit überwiegt bei Studierenden und Lehrenden, als Formatierungs- und Formulierungshilfe wird die Nützlichkeit gesehen. Im Austausch kamen auch lustige Experimente mit den KI-Anwendungen zur Sprache, die helfen können, sich selbst oder sperrige Themen besser kennen zu lernen. Lob gab es z.B. für NotebookLM bei denen trockener Vorlesungsstoff in unterhaltsamen Podcast umgesetzt wird.  

Weiter ging es um die Möglichkeiten, Vorlesungen und Übungen durch KI transkribieren zu lassen.  

In der nächsten Runde überwog die Nützlichkeit der Anwendung eigene Wissensdefizite innerhalb der Vorlesung aufzufangen. Eine schnelle Bitte an die KI gibt Erklärungen auf der jeweils gewünschten Niveaustufe und gleicht so fehlendes Vorwissen dezent aus.  

Auch andere Anwendungen wurden gelobt, insbesondere die Beck-KI die auf juristische Kommentare zugreifen kann und gute Auskünfte mit passenden Verlinkungen gibt.  

Gewünscht wurden sich aus dem Kreis der Teilnehmenden, ein niedrigschwelliges Angebot an Schulungen zur effektiven Nutzung verschiedener KI-Anwendungen.

Leitfragen

Thementisch „Schreiben mit ChatGPT“ 

Im Mittelpunkt dieses Thementisches stand der Erfahrungsaustausch zum wissenschaftlichen Schreiben mit KI-Tools und deren Einfluss auf Schreibprozesse und Lernkultur. 

Positiv festzuhalten ist, dass sich Studierende aktiv und progressiv mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, die ihnen ChatGPT & Co bieten: sie nutzen sie für ihre individuellen und fachspezifischen Lernprozesse. Sie überarbeiten und korrigieren ihre Texte und Formulierungen und entwickeln dadurch ihren sprachlichen Ausdruck. Ihnen ist klar, dass die Inhalte, die „persönliche Note“ und die passende Adressierung ihre notwendigen Eigenleistungen sind und bleiben. Sie wissen, dass ihnen die Nutzung zum Vermeiden von Lernen nichts nützt, und sind sich bewusst, dass es eine Verführung gibt, Fähigkeiten zu verlernen und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu unterminieren. Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben, der für die Inhalte Verantwortung übernimmt und für Fragen ansprechbar ist 🙂 

Fazit

Der Hochschultag war für unsere Interessengruppe ein spannender erster Versuch in diesem Format. Natürlich haben wir dabei auch einige Punkte entdeckt, die wir beim nächsten Mal anders oder besser machen würden. Gerade deshalb war die Veranstaltung für uns ein wichtiger Lernprozess. 

Vor allem aber hat uns der Austausch an den Thementischen begeistert. Die Gespräche waren lebhaft, offen und oft länger als die eingeplante Zeit. Besonders gefreut hat uns, dass Studierende, Lehrende und Mitarbeitende miteinander ins Gespräch gekommen sind und unterschiedliche Perspektiven eingebracht haben. Auch die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg hat hervorragend funktioniert. Insgesamt nehmen wir viele Anregungen, neue Kontakte und vor allem die Motivation mit, ähnliche Formate auch in Zukunft wieder anzubieten. 

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