Wenn Code plötzlich prüfbar wird: E-Klausuren mit CodeRunner

24 März, 2026

E-Klausuren sind an der HWR Berlin längst mehr als ein kurzfristiger Trend. In speziell ausgestatteten E-Prüfungsräumen und abgesichert durch den Safe Exam Browser bieten sie eine verlässliche und gleichzeitig flexible Prüfungsumgebung. Doch wie funktioniert das in der Praxis – insbesondere in Fächern, in denen Programmierkenntnisse geprüft werden sollen? Eine Dozierende aus dem Studiengang Verwaltungsinformatik (FB 3) hat genau das ausprobiert und setzt dabei auf den Fragetyp CodeRunner.
Beitragsbild CodeRunner Pilotklausur

„Wie Weihnachten im November“ – Erfahrungen mit CodeRunner

Seit der Einführung von E-Klausuren an der HWR Berlin ist es dem E-Learning-Zentrum ein besonderes Anliegen, auch Prüfungen im Bereich der Programmierung möglichst realitätsnah umzusetzen.

Denn noch immer werden Programmierklausuren häufig auf Papier geschrieben – inklusive händisch verfasstem Quellcode und Fehleranalyse „per Augenmaß“. Eine Kompilierung oder direkte Überprüfung des Codes ist dabei nicht möglich. Ein Vorgehen, das mit der tatsächlichen Arbeitsweise in der Praxis nur wenig gemein hat und die Frage aufwirft, welche Kompetenzen damit eigentlich überprüft werden.

Umso erfreulicher war die Nachfrage aus der Lehre nach dem Fragetyp CodeRunner für Moodle, der nach einer ausführlichen Testphase zu Beginn des Wintersemesters 2025/26 in den produktiven Betrieb überführt werden konnte.

Mit Frau Linh Thao Ly, die seit März 2025 als Professorin für Verwaltungsinformatik im Fachbereich 3 an der HWR Berlin tätig ist, ergab sich direkt die Gelegenheit, eine erste Pilotklausur mit CodeRunner-Aufgaben umzusetzen.

Im Folgenden berichtet Frau Ly von ihren bisherigen Erfahrungen:

Eine Programmierklausur auf Papier zu stellen, kam für mich nicht in Frage. Im Sommersemester 2025 habe ich mit Unterstützung des E-Learning-Teams erstmalig die E-Klausur in Moodle durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war CodeRunner in unserer Moodle-Installation noch nicht verfügbar, so dass Notepad++ als zusätzlich erlaubtes Tool in der E-Klausur ein Workaround war, einen sinnvollen Eingabemodus für Code-Aufgaben zu ermöglichen. Eine sinnvolle Eingabe von Code, insbesondere das Einrücken von Code-Zeilen, war ansonsten in Moodle Freitext-Aufgaben nicht möglich. Ein großer Nachteil der Verwendung eines externen Eingabetools liegt jedoch darin, dass der Code stets wieder in die Moodle-Eingabe hinüberkopiert werden muss. Das ist durchaus fehleranfällig.

Als im Wintersemester 2025 mit der neuen Moodle-Version auch CodeRunner verfügbar war, war das wie Weihnachten im November. Eine CodeRunner-Aufgabe ermöglicht eine sinnvolle Eingabe von Code verschiedener Programmiersprachen. Außerdem bietet sich in einer CodeRunner-Aufgabe verschiedene Möglichkeiten, etwa konkrete Testfälle zur automatisierten Prüfung des Codes zu hinterlegen, oder auch nur eine Prüfung auf Kompilierung zu ermöglichen, indem man das hinterlegte Test-Template anpasst. Die Konfiguration von Programmieraufgaben innerhalb von CodeRunner ist durchaus gewöhnungsbedürftig und keineswegs selbsterklärend. Aber CodeRunner ist auch gut dokumentiert, so dass das Stellen von Aufgaben gut machbar ist. Ich habe noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Wichtig für die Vorbereitung ist vor allem, dass Studierende bereits vor der Prüfungssituation ausreichend Erfahrungen mit der Erstellung von Code innerhalb von Moodle bzw. spezifischer CodeRunner sammeln können. Es ist auch sinnvoll, dass Studierende die konkreten Aufgabenarten, z. B. ob Testfälle hinterlegt sind oder nicht, alle vorher kennengelernt und geübt haben. Ich habe zur Vorbereitung möglichst viele Übungsaufgaben als CodeRunner-Aufgaben gestellt. Das ist gerade bei Einführungsveranstaltungen zu Programmierkonzepten sehr gut möglich, da der einzugebende Code in der Regel überschaubar ist. Natürlich ist Programmieren in CodeRunner nicht so komfortabel wie in einer Entwicklungsumgebung, aber das soll es ja auch gar nicht sein.

Für die Studierenden ist die Eingabe von Code direkt in Moodle ist sehr viel einfacher als die Verwendung von Notepad++ als zusätzliches Tool. Ein Wechseln zwischen Browser und zusätzlichem Tool entfällt mit der Verwendung von CodeRunner-Aufgaben. Das war für mich das Ausschlaggebende. Für einfache Programmieraufgaben ist CodeRunner auf jeden Fall gut geeignet. Was sonst noch alles mit CodeRunner möglich ist, muss ich erst noch ausprobieren.

Aus Sicht der Dozierenden überwiegen die Vorteile:
Die direkte Eingabe von Code in Moodle vereinfacht den Ablauf erheblich und vermeidet unnötige Fehlerquellen. Gerade für einfache Programmieraufgaben ist CodeRunner daher eine sehr geeignete Lösung.

Kurz erklärt: Was ist CodeRunner?

CodeRunner ist ein spezieller Fragetyp in Moodle für Programmieraufgaben. Studierende können ihren Code direkt im System eingeben und – je nach Aufgabenstellung – automatisch prüfen lassen.

Dozierende haben dabei die Möglichkeit, Testfälle zu hinterlegen oder bestimmte Kriterien für die Auswertung festzulegen. So lassen sich Programmieraufgaben effizient und nachvollziehbar bewerten.

zur Dokuseite von CodeRunner


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Ansicht einer CodeRunner Beispielaufgabe

Ansicht einer CodeRunner Beispielaufgabe

Studierendenperspektive: Erfahrungen mit der Programmier-E-Klausur

Um auch die Perspektive der Studierenden einzubeziehen, haben wir eine Studierende aus dem Fachbereich 3 interviewt. Sie ist eingeschrieben im Studiengang Verwaltungsinformatik – aktuell im ersten Semester – und hat an der E-Klausur von Frau Ly teilgenommen.

Im folgenden Interview schildert sie ihre Eindrücke von der Programmierprüfung und der Arbeit mit CodeRunner.

Wie hast du die Programmier-E-Klausur insgesamt erlebt?
Insgesamt gut von der technischen Seite her. Die Nervosität kam eher daher, dass es eben eine Klausur war.


Wie bist du mit der Eingabe und Bearbeitung deiner Lösungen im System zurechtgekommen?
Gut und ziemlich intuitiv, vor allem wenn man schon einmal mit Entwicklungsumgebungen wie Eclipse gearbeitet hat. Einige Funktionen, die man von dort kennt, haben zwar gefehlt, aber das ist nachvollziehbar und für eine Prüfung auch völlig ausreichend.


Wie hilfreich war es für dich, den Code direkt ausführen oder prüfen zu lassen?
Sehr hilfreich. Es hat für Zuversicht gesorgt, wenn der Code zumindest lauffähig war. Auch die Testfälle haben dabei unterstützt, Fehler schrittweise zu finden, selbst wenn das nicht immer sofort funktioniert hat. Die bereitgestellten Testfälle waren insgesamt sehr ausführlich.


Konntest du dich während der Klausur gut auf die Aufgaben konzentrieren?
Ja, das hat problemlos funktioniert.


Gab es technische oder organisatorische Schwierigkeiten?
Insgesamt lief alles gut.

Bei der ersten E-Klausur war die Einrichtung des Safe Exam Browsers zunächst etwas verwirrend, vor allem weil die Anleitung nicht direkt wahrgenommen wurde. Beim zweiten Versuch hat dann alles problemlos funktioniert – auch ohne Unterstützung. Außerdem war anfangs nicht ganz klar, welche Klausur im System ausgewählt werden muss, da die Bezeichnungen nicht eindeutig waren. Das ließ sich aber gemeinsam schnell klären.


Fühltest du dich ausreichend auf die Prüfungsumgebung vorbereitet?
Ja, durch die vielen Übungsaufgaben im Vorfeld. Die waren im gleichen Stil aufgebaut wie die Klausur.


Was hätte dir im Vorfeld zusätzlich geholfen?
„Eine magische Projektion in meine Zukunft, um genau zu sehen, wie die Klausur abläuft und dass ich sie auch bestehen werde.“


Welche Vorteile hatte die digitale Programmierklausur für dich?
Gerade für Programmierung ist eine digitale Klausur deutlich sinnvoller als eine handschriftliche. Auch bei anderen Prüfungen mit längeren Texten wäre das ein Vorteil; allein schon wegen Lesbarkeit, Schreibgeschwindigkeit und weniger „Zittern“ beim Schreiben.


Gab es etwas, das dich gestört oder verunsichert hat?
Ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Browser bleibt: die Sorge, dass Antworten vielleicht nicht gespeichert werden oder man aus Versehen etwas falsch klickt. Das lag aber eher an der eigenen Nervosität als an tatsächlichen Problemen.


Würdest du diese Form der Prüfung wieder bevorzugen? Warum?
Ja, auf jeden Fall – vor allem für Programmierklausuren. Aber auch für andere Formate mit viel Text ist eine E-Klausur aus den genannten Gründen sinnvoll.


Welche Verbesserungen würdest du dir für zukünftige Klausuren wünschen?
Aktuell keine konkreten Punkte. Insgesamt eine sehr gute Erfahrung.

Fazit

E-Klausuren mit CodeRunner bieten sowohl aus Sicht der Lehre als auch aus Studierendensicht klare Vorteile.

Während die technische Umsetzung im Hintergrund durchaus komplex ist, wird sie in der Prüfungssituation selbst kaum noch wahrgenommen. Genau darin liegt eine der größten Stärken:

Eine Prüfungsumgebung, die funktioniert, ohne in den Vordergrund zu treten.

Für die Zukunft bleibt spannend, welche weiteren Möglichkeiten CodeRunner bietet und wie sich das Format weiterentwickelt.

Schon jetzt zeigt sich jedoch: Für die Programmierlehre ist dieser Ansatz ein großer Schritt nach vorn.

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